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Das Meer aus Kunden - Weihnachtszeit

Als ich noch im Einkaufszentrum arbeitete, da passierte es mir einmal, dass ich spät dran war, um mit meiner Spätschicht zu beginnen. Ich fuhr mit meinem Auto aufs Parkdeck und mit der Rolltreppe in die Mall. Von der Rolltreppe aus konnte ich schon einen Blick in unseren Laden werfen und mir stockte der Atem. Es war Dezember und ich konnte kurz vor Arbeitsbeginn um 11Uhr keine Ware mehr erkennen. Ich sah lediglich ein Meer aus Köpfen. Panik stieg in mir auf bei der Aussicht, die nächsten acht Stunden in diesem Meer der Ansprechpartner zu sein. Ich hielt es für unmöglich diesen Tag zu überstehen.

Es half alles Nichts, ich konnte ja nicht einfach wegrennen und meine Kollegen mit den Kunden Ihrem Schicksal überlassen. Ich konnte auch nicht den Laden schliessen, weil ich wusste, dass wir in diesem Monat ein Drittel des Jahresumsatzes machten und ich schliesslich auch von diesem Geld bezahlt wurde. Also stürzte ich mich ins Getümmel wohlwissend, dass der Tag anstrengend aber schnell vorbei sein würde. Ich legte meine Jacke ab, klemmte mein Namensschild an und atmete tief durch. Ich schaffte keinen Schritt aus unserem Personalraum und schon wurde ich mit der ersten Frage bombardiert. Mit einem Lächeln führte ich den Kunden zur gewünschten Ware. Als andere Kunden merkten, dass ich zum Personal gehörte hängten Sie sich einfach an den ersten an, wie der Tross an die Goldene Gans. Und so folgte mir den ganzen Tag eine Schlange von fünf oder mehr Kunden, die ich nacheinander abarbeiten konnte. Es ist mir gelungen, dabei die Ruhe zu bewahren und jedem Kunden meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Wie? Das kann ich Euch erzählen!

1. Hatte ich das Glück, dass auch die Kunden den vollen Laden wahrgenommen hatten und sich wie ich Ihrem Schicksal ergeben hatten. Sie waren sehr geduldig und warteten bis ich Zeit für sie hatte. Sie hatten zum Glück auch Verständnis, wenn ich zwischendurch jemandem einfach nur die Richtung weisen musste.

2. Durch geschickte Fragen kamen wir schnell zum Punkt. Was suchen Sie? Für wen soll es sein? Was gefällt demjenigen bisher?

3. Ich gab eine Auswahl von drei aus verschiedenen Preisklassen mit kurzer Beschreibung und der Kunde wurde in der Regel schon fündig.

4. Die nächste Frage war: "Wer soll noch beschenkt werden?" und dann zurück zu Punkt 2.

5. Wenn bei Punkt 4 keine weiteren Personen genannt werden, begleite ich den Kunden direkt zur Kasse, bedanke mich, weise ihn auf die Möglichkeit von Gutscheinen und Geschenkverpackung hin und gebe ihm noch eine Schokolade für die Zeit des Anstehens an der Kasse.

Zum Glück hatten wir einen tollen Kassenservice, der die Aufmerksamkeit weitergeführt hat.

Das Schöne war, dass die Kunden sehr dankbar waren, auch weil ich ihnen die Überlegung nach weiteren passenden Geschenken erspart habe und sie die meisten Geschenke in unserem Laden kaufen konnten. 

Der Tag ging sehr schnell vorbei und wie ich vorausgesehen hatte war er auch sehr anstrengend. Trotzdem ging ich mit einem Lächeln nach Hause, weil ich wusste, dass ich vielen Menschen Wege erspart habe und ihnen ein wenig Ruhe in dieser turbulenten Weihnachtszeit schenken konnte.