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Führung - wie ich sie sehe

Wer hatte nicht schonmal den Gedanken: "Mein Chef ist eine Pfeife! Das könnte ich besser!" So war das auch bei mir. Ich war damals als Buchhändlerin angestellt und hatte eine Abteilungsleiterin, einen Filialleiter und ab und zu kam auch noch der Bereichsleiter dazu. Sie alle waren meine Führungskräfte. Ich beobachtete sie genau. Die Abteilungsleiterin zog sich für jedes Wort, das sie mit mir sprechen wollte in ein stilles Kämmerchen zurück, als hätte sie Angst das Gespräch könne ausarten, war aber nie an meiner ruhigen Meinung interessiert. DerFilialleiter war immer unzufrieden, trotz steigender Umsatzzahlen und hohem Stammkundenanteil in meiner Abteilung und der Bereichsleiter schwebte bei seinen Besuchen durch die Filiale und sprach ausschliesslich mit dem Filialleiter.

Ich war mir sicher, dass ich das besser kann! Irgendwann war es soweit und ich wurde Filialleiterin. Nun konnte ich mich beweisen. Ich habe viele Fehler gemacht und werde auch in Zukunft Fehler machen, denn das weiss ich heute: Führungskräfte sind auch nur Menschen. 

Aber drei Punkte haben sich für mich als entscheidend herauskristallisiert:

1. Wertschätzung

Auch meine Mitarbeiter sind keine Roboter sondern Menschen und als solche möchten Sie auch wahrgenommen werden. Dabei hat mir die Guten-Morgen-Routine geholfen. Ich konnte mit jedem Mitarbeiter zwei bis drei private Sätze reden. Wie geht's? Was macht die Familie? Oder der Hund? Dabei sehe ich wie es meinen Mitarbeitern geht und kann dann auch Rücksicht auf deren Tagesform nehmen. 

Meine Mitarbeiter bringen Fähigkeiten mit, die ich vielleicht nicht habe. Ich bestärke sie darin ihre Stärken zu nutzen und gebe ihnen entsprechende Gestaltungsspielräume und lasse Sie Verantwortung übernehmen. 

Ich gebe Vertrauensvorschuss.

2. Kommunikation

Mitarbeiter haben einen Riecher dafür, wenn sich im Unternehmen etwas bewegt und wollen daran teilhaben. Sie wollen wissen und sie haben ein Recht darauf zu erfahren in welche Richtung sich das Geschäft entwickelt. Deswegen lasse ich meine Mitarbeiter an meinen Gedanken teilhaben. Nicht selten habe ich die Erfahrung gemacht, dass entscheidende Ideen aus dem Team kamen. Alle Informationen sollten mit allen geteilt werden. Das ist manchmal ganz schön herausfordernd, da man nicht immer alle persönlich erreicht und schriftliche Kanäle oft nicht regelmässig gelesen werden. Deswegen sind regelmässige Teammeetings wichtig und zwar so, dass Themen vorher feststehen aber von jedem eingebracht werden können. Jeder kommt zu Wort, der gehört werden will.

3. Dienstleistung

Das mag für den ein oder anderen jetzt komisch klingen. Wir kennen das ursprünglich so, dass Mitarbeiter für Ihren Chef arbeiten. Aus meiner Sicht arbeiten meine Mitarbeiter an der Front für den Kunden und dazu brauchen sie die besten Voraussetzungen, um sich voll darauf zu konzentrieren. Wenn sie sich gleichzeitig nach mir richten müssen wird das schnell zur Zerreissprobe. Meine Mitarbeiter sind meine Kunden und ich muss ihnen die Bedingungen schaffen, mit denen sie zufrieden und gut arbeiten können. Das heisst eine Personaleinsatzplanung nach Wunsch aber auch Abläufe und Routinen die einfach sind, damit alle anfallenden Arbeiten ohne Druck und ohne den Kunden zu vernachlässigen erledigt werden können.

Als Führungskraft bin ich diejenige, die den Überblick behält und das erfordert Nähe den Mitarbeitern.