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Emotion hat Einfluss

Versetze Dich in folgende Situation:

Heute ist Dein grosser Tag! Du hast einen Termin für den Job Deines Lebens. Die Aufgabe ist Dir wie auf den Leib geschneidert. Du hast starke Konkurrenz, aber Du bist sicher, dass Du Sie alle in die Tasche steckst. Seit Wochen bereitest Du Dich vor und hast gestern Abend alles akribisch vorbereitet, damit heute alles glatt läuft. Im Kopf gehst Du während des Anziehens nochmal alles durch. Jetzt bist Du fertig. Du siehst super aus und bist gerüstet für Dein Gespräch. Du trittst schwungvoll aus dem Haus... und findest Dein Auto zugeparkt von einem riesigen Lastkran, der gerade kompliziert einen Flügel in das Haus Deines Nachbarn bugsiert.

Was fühlst Du?

Und jetzt stell Dir die gleiche Situation vor nur mit dem Unterschied, dass heute Dein freier Tag ist und Du Dich schon riesig darauf gefreut hast. Deine Familie hat aber ein Treffen bei Deiner Grosstante angesetzt, in deren verstaubten haus es müffelt und die unerträglich viel redet und dabei nichts von Gehalt. Du kommst aus dem Haus und da steht dieser Kran.

Was fühlst Du jetzt?

Der Psychologe Frijda schreibt in der Oxford University Press 1986 dass Emotionen dadurch entstehen, dass jemand ein Ereignis als bedeutsam in Bezug auf sein ziel empfindet. Deswegen kann die gleiche Situation unterschiedliche Emotionen hervorrufen. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch die Begegnung mit einem Bären: 

Begegnest Du ihm im Zoo, nutzt Dir diese Begegnung, weil Du ihn beobachten und lernen kannst. Das löst Freude aus.

Begegnest Du ihm aber in freier Wildbahn kann Dir diese Begegnung grossen Schaden zufügen und Du hast verständlicherweise Angst. 

Emotionen beschäftigen uns alle. Ich habe mich gefragt, ob Emotion und Verstand getrennt werden können und mich auf die Suche nach Antworten gemacht, die ich hier mit Euch teilen will. 

In der Philosophie bin ich fündig geworden. Nach Platons Theorie ist die Emotion in der Seele, also ausserhalb des Körper und damit auch ausserhalb des Verstandes lokalisiert. Durch die Kontrastierung von Verstand und Emotion gelten emotionale Menschen nach dieser Theorie als dumm und schwach.

Auch die Epikurer finden, dass Emotionen fehlendes Wissen widerspiegeln. Bei Angst kann ich diese Sichtweise noch nachvollziehen, aber ist Freude dann einfach ein Mangel an Information?

Ich halte es eher mit Aristoteles, der Emotion als das Ergebnis aus höheren geistigen Fähigkeiten im Zusammenhang mit unseren Zielen und einem sinnlichen Leben definiert.

In der psychologischen Forschung weiss man inzwischen, dass Emotionen sich vor Allem im sozialen Umfeld entwickelt haben. Nach neuesten Erkenntnissen sind Emotionen ein typischer mentaler Zustand. Das bedeutet jeder von uns hat jederzeit irgendeine Emotion. Nur starke Ausprägungen im Bezug auf Aktivität, Dauer und Intensität sind besonders.

Hast Du schon einmal versucht mit jemandem ein wichtiges Projektgespräch zu führen, der gerade frisch verliebt ist? Du wirst festgestellt haben, dass das kaum möglich ist. Genauso wenn Du jemandem versuchst mit sachlichen Argumenten beizukommen, der gerade so richtig wütend ist.  

Das liegt daran, dass Emotionen Handlungen Vorrang geben, denen sie Dringlichkeit verleihen und andere emotionale Prozesse und Handlungen in den Hintergrund drängen.

Also, wenn Dein Gegenüber mal wieder so richtig emotional ist, dann kann er eventuell nicht mehr richtig denken, aber Du kannst Rückschlüsse auf sein Ziel ziehen.

Es ist also ratsam sich selbst nicht in Emotionen hineinzusteigern!

Weil wenn Du nicht so verdammt wütend gewesen wärst, dass Dein Nachbar sich den Flügel ausgerechnet heute liefern lässt, dann wäre Dir die Möglichkeit mit der Bahn zu fahren vielleicht noch rechtzeitig eingefallen.