Ziele brauchen ein Fundament

"Meine Mutter war eine offene Person, sie war eine aufmerksame Zuhörerin und versuchte immer zu verstehen ohne zu verurteilen. Sie motivierte uns indem sie mit uns lernte; Als ich Snowboard fahren wollte, lernte Sie es einfach auch und machte genauso viele Fehler wie ich. Sie ging mit uns auf unserem Weg und unterstützte uns mit positiver Energie, dabei war sie mutig und es machte ihr nichts aus Fehler zu machen. Sie hatte einen starken Charakter, der sie charmant über Häme und Spott anderer Leute lächeln liess. Wir konnten uns gegen sie auflehnen und sauer auf sie sein, sie gewährte es uns, aber sie liebte uns dennoch ganz einfach so wie wir waren. Auch sie war nur ein Mensch und nicht immer gerecht, nicht immer guter Laune und manchmal traf uns auch ihr Zorn. Dennoch war die Grundlage unserer Beziehung die, dass jeder so sein darf und vor allem so sein soll wie er will."

 

 

Diese Worte oder ähnliche möchte ich gerne von meinen Töchtern hören, wenn sie an meinem Grab einmal eine Rede halten. Ich möchte, dass Sie sich an mich als positive, aktive und offene Person erinnern und daran, dass sie die Liebe, die ich für sie empfinde auch zu spüren bekommen haben.

 

Im ersten Moment mag das für Euch makaber klingen, dass ich, die ich hier kerngesund vor Euch stehe, mir Gedanken darüber mache was die Menschen an meinem Grab über mich sagen werden. Ich will Euch gerne erklären was mich dazu bewogen hat und Euch gleichzeitig animieren dasselbe zu tun.

 

Jahrelang versuche ich nun schon ein Ziel in meinem Leben zu definieren. Ein Ziel, dass mich motiviert härter zu arbeiten, mehr Geld zu verdienen und in allem überdurchschnittlich zu sein. Vor ein paar Jahren dachte ich, ich hätte es gefunden. Ich malte mir aus mit etwa fünfzig Jahren ein schönes Haus an den Oberitalienischen Seen zu besitzen, dort ein Beruf auszuüben, der unabhängig von einem festen Ort ist und nur noch arbeiten zu müssen, wenn ich es wirklich möchte. Immer noch eine sehr schöne Vorstellung!

 

Zwei Dinge sind seither passiert:

1. Ich bekam noch ein Kind für das ich Zeit haben wollte.

2. Ich habe mich übernommen, indem ich mich, um viel Geld zu verdienen, zu stark an den Erwartungen anderer orientierte und meine eigenen Bedürfnisse ausblendete.

Zack: Burn Out! Viel Zeit für’s Kind aber keine Orientierung mehr, vor allem keinen inneren Kompass. Ich hörte auf zu arbeiten und gab das bis dahin angesparte Geld einfach für das tägliche Leben aus. Das Bild von dem Häuschen in Norditalien verblasste. Das störte mich nicht, wichtiger war es mir meinen inneren Kompass wieder zu finden.

 

Durch die Inspiration von Steven Covey und seinen „Sieben Wegen zur Effektivität“ wurde mir bewusst, dass Ziele widerstandsfähiger und flexibler sind, wenn sie ein Fundament haben. Dieses Fundament besteht aus unseren Werten und Prinzipien. Werte und Prinzipien verändern sich nicht in unserem Leben aber wir müssen uns ihrer in jeder Rolle unseres Lebens bewusst sein.

 

Jeder Mensch nimmt in seinem Leben verschiedene Rollen ein. Meine Rollen sind Individuum, Mutter, Partnerin, Freundin, Unternehmerin, Geschäftspartnerin, Angestellte, Kollegin, Familienmitglied und Vereinskollegin. In jeder Rolle vertreten wir andere Werte.

Als Geschäftspartnerin ist zum Beispiel Liebe nicht so wichtig, dafür aber Weitblick und Wertschöpfung. Als Freundin möchte ich als initiativ, einfühlsam und aufmerksam wahrgenommen werden.

 

Was wäre einfacher, um sich darüber klar zu werden, welche Werte mich leiten sollen, als zu überlegen, wie ich von anderen Menschen wahrgenommen werden will. Um das zu visualisieren und wirklich in Worte zu fassen, verfasse ich eine Grabrede für jede meiner Rollen. Ich stelle mir einen Geschäftspartner vor, der an meinem Grab redet, genauso wie meine Kinder und meine Kollegen. Ich schreibe diese Reden tatsächlich nieder. Durch den kreativen Prozess des Schreibens werden die Werte verinnerlicht und bleiben mir im Gedächtnis.

 

Aufbauend auf diese nun herausgearbeiteten Werte kann das Häuschen in Norditalien wieder entstehen. Gross oder klein, Pool oder nicht, das ist nicht so wichtig. Ich sehe vor meinem inneren Auge die Menschen an meinem Grab reden und werde alles dafür tun damit ich mit dem was sie sagen zufrieden sein kann. So bin ich jederzeit authentisch und damit überzeugend. Ich richte mich nach meinem inneren Kompass, kann proaktiv handeln und lasse mich nicht von unerwarteten Situationen überrumpeln.

 

Ich habe Euch mit der Grabrede meiner Töchter, meine Werte vorgestellt, die mich in meiner Rolle als Mutter leiten sollen. Meine sechs jährige Tochter spielte neben mir, als ich beim Schreiben dieser Rede nach Worten rang. Ich sprach die Frage die mir durch den Kopf ging laut aus: „Wie nennt man das denn, wenn man mit jemandem böse sein kann und derjenige einen trotzdem lieb hat?“ Sie antwortete wie aus der Pistole geschossen „Mami sein“. Das zeigt mir, dass ich zumindest in meiner Rolle als Mutter schon auf dem richtigen Weg bin.

 

 

Jetzt seid Ihr dran. Ich fordere Euch auf: Schreibt die Grabreden, die für Euch gehalten werden sollen. Ich wünsche Euch den Genuss der Klarheit, die Euch zu Euren Zielen bringt.