Zum Glück kein Kunde

Morgens 9:00Uhr in der Zentrale eines Sportartikelgrosshändlers: Die Mitarbeiter trudeln ein, holen sich in der Küche einen Kaffee und tragen ihn vorsichtig an Ihren Arbeitsplatz. In den Büros begegnen sich die Leute mit Ihren Kaffeetassen und erzählen sich vom gestrigen Abend. 9:15 Uhr: Alle sitzen nun vor Ihren Computern und bearbeiten die Aufträge der Aussendienstmitarbeiter und die Bestellungen der Firmenkunden. 10:30 Uhr: Langsam ist ein Ende der zu bearbeitenden Aufträge in Sicht als ein Mitarbeiter bemerkt: "Zum Glück hat heute noch niemand angerufen, da kann man mal richtig was wegschaffen!" 

Ja, komisch jetzt fällt es den Anderen auch auf, das Telefon steht still!  "Super!" finden alle und arbeiten weiter! Gegen Mittag sind alle Bestellungen bearbeitet, ein paar waren noch per e-mail eingetrudelt, aber zum Glück ruft heute niemand an. Dieses ständige Telefonklingeln an den anderen Tagen kann einen ganz verrückt machen. Immer diese Fragen der Kunden, die die Produkte einfach nicht verstehen und dann wenn man es ihnen endlich erklärt hat, wollen Sie auch noch telefonisch bestellen. Die könnten ja auch eine e-mail schreiben, da hätte man nicht so einen riesigen Aufwand damit. Wie schön doch diese Stille ist!

Die Mitarbeiter fangen an sich mit anderen Dingen zu beschäftigen: Der Schreibtisch sollte schon lange mal ausgemistet werden, es hat sich ewig keiner mehr so richtig um die Büropflanzen gekümmert, die Stifte sind nicht im Farbverlauf sortiert und die Prospekte nicht bündig aufgestapelt.

Um 14:00 Uhr stört das Klingeln eines Mobiltelefons die Stille. Der Besitzer hebt ab und fragt den Anrufer, warum er denn auf dem Handy anrufe. Der Aussendienstmitarbeiter am anderen Ende der Leitung möchte wissen, ob Ihnen im Büro nicht aufgefallen sei, dass das Telefonsystem nicht funktioniert.

 

Leider so geschehen! Und ich fürchte, dass es täglich wieder passiert.

Mitarbeiter, die nur indirekt im Kundenkontakt stehen, haben oft keine Antenne dafür, wie wichtig der Kunde für das Unternehmen ist. Ihnen ist häufig nicht klar, woher Ihre Gehälter kommen. Natürlich ist es schön, wenn ich meinen Schreibtisch mal leergeräumt und abgearbeitet habe und meine Stifte sortieren kann. Aber noch schöner ist es doch wenn ich noch einen Auftrag für den nächsten Tag habe, weil dann kann ich davon ausgehen, dass auch mein Gehalt weiterhin bezahlt wird.