Führungswandel - aber wie?

Überall ist zu lesen, dass es in den Führungsetagen einen Wandel geben muss. Die alten hierarchischen Modelle sind überholt und Teams sollen jetzt kollaborativ arbeiten. Es geht teilweise sogar so weit, dass vorgeschlagen wird, einzelne Mitarbeiter im Team sollen selbst entscheiden können an welchem Projekt sie wann arbeiten möchten. Projekte an denen zu wenig Mitarbeiter mitwirken fallen dann einfach unter den Tisch, eine Art natürlicher Auslese. Schwarmintelligenz heisst das Zauberwort. Funktioniert das in jeder Branche?

Ich bin wirklich gewillt zu glauben, dass wir so arbeiten könnten. Führungskräfte sind die Netzwerker, die die Mitarbeitern nach Ihren Stärken aussuchen und im Team die sich ergänzenden Fähigkeiten zusammenbringen. In der IT und Entwicklungsbranche in der Forschung und auch in kreativen Berufen kann ich mir vorstellen, dass das funktioniert. 

Wie ist das aber im Vertrieb?

Meine Erfahrung sagt mir, dass sich auch Arbeits- und Öffnungszeiten oft nach Freiwilligkeit abdecken lassen. Wie kann ich mich aber darauf verlassen? Was wenn meinem Mitarbeiter einfällt, dass er heute nur in der Nacht Lust hat Kunden anzusprechen? Was wenn keiner meiner Mitarbeiter Lust hat, mit dem einen Kunden zu sprechen? Projekt abgelehnt - Umsatz futsch!

Diese Art zu arbeiten setzt ein hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein und Selbstorganisation voraus, die Mitarbeiter müssten in der Lage sein, sich untereinander selbst so zu organisieren, dass immer genügend Personal, aber nie zu viel, anwesend ist. Auch bei einem kooperativen Führungsstil klappt das meistens, aber genau in den Fällen, in denen es nicht klappt muss jemand da sein, der koordiniert und entscheidet. Auch ein Schwarm hat eine Hierarchie!

Was mir an diesen Modellen sehr gut gefällt ist, dass Organigramme so umgebaut werden müssen, dass der Kunde das führende Element ist und nicht mehr der Geschäftsführer. Das heisst, die Organisation richtet sich auf den Kunden aus und die Geschäftsleitung ist dazu da, die Mitarbeiter, die am nächsten am Kunden sind, in die Lage zu versetzen Kundenwünsche möglichst umfassend zu erfüllen. Das würde bedeuten, dass es Kommunikation in alle Richtungen geben muss und dass die Enabler auch für den Vertrieb erreichbar sind.

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Diskussion weiter entwickelt und freue mich über Anregungen und Meinungen zum Thema.