Vom Mut sich unbeliebt zu machen

Bild: pixabay.com
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Sie alle kennen das sicher; Sie haben eine Teamsitzung und müssen im Team eine Entscheidung treffen. Nun werden vielleicht ein oder zwei Ideen eingebracht und der Rest des Teams hängt sich an eine dieser Ideen und sagt: "Ja, das finde ich gut, so machen wir das!" ohne selbst noch Informationen oder Anregungen mit einzubringen.

In Studien über das Gruppendenken hat man festgestellt, dass heterogene Teams effektiver sind als homogene Teams. Warum ist das so?

 

Weil in homogenen Teams eine ähnliche Denkweise vorherrscht und der Mensch als solcher harmoniebedürftig ist und sich nicht der Kritik der Anderen aussetzen möchte. Wenn also einer meiner Kollegen, der sonst immer vernünftig ist und dessen Gedanken ich nachvollziehen kann, eine Idee äussert, neige ich dazu Ihr zuzustimmen. Es geht sogar soweit, dass ich möglicherweise meine eigene Idee komplett unter den Tisch fallen lasse und nur die Idee meines Kollegen durch einen eigenen Vorschlag noch verändere, aber die Grundidee bleibt. Dadurch kann es passieren, dass die beste Idee nicht einmal genannt wird, obwohl sie vorhanden ist.

In heterogenen Teams hingegen treffen verschiedenen Denkweisen aufeinander, was grundsätzlich mehr Konfliktpotenzial birgt, aber auch viel mehr Potenzial für gute Lösungen. Da die Herangehensweise an Problemlösungen von Anfang an unterschiedlich ist. Wenn ich dazu noch die Fachgebiete der einzelnen Diskussionsteilnehmer unterstreiche und für jeden sichtbar mache, ist es für den einzelnen leicht sein Wissen vollständig einzubringen und für die Anderen leicht, die zusätzliche Information oder andere Meinung anzunehmen.

Was bedeutet das nun für uns als Führungskräfte? Muss ich jetzt also mein homogenes Team entlassen und ein neues heterogenes zusammenstellen? Die meisten Führungskräfte sind es gewohnt ab und zu mal anderer Meinung zu sein als Ihr Mitarbeiter oder gar das Team. Dennoch neigen auch wir manchmal dazu unsere Ansichten oder Regeln zurückzuschrauben, wenn die Stimmung gar zu emotional wird, oder wir um unsere Beliebtheit bei den Mitarbeitern fürchten, nicht wahr?

Aber da auch wir Führungskräfte nicht immer die besten Ideen haben, geht es hier nicht darum! Wenn wir zu guten Ergebnissen in Diskussionen kommen wollen, geht es darum alle Ideen der Mitarbeiter auf den Tisch zu bekommen und die Ja-Sager Mentalität zu verändern. Sie selbst sollten zum Beispiel Ihre Ideen immer als Letztes nennen und auch andere Führungspersönlichkeiten in Ihrem Team sollten sich am Ende einer Diskussion melden. So kommen auch Teammitglieder zum Zug, die sonst eher zurückhaltend sind. Sammeln Sie zuerst reine Informationen ohne Meinungen und Bewertungen ein, das schafft eine gute Grundlage für die Diskussion.

Kritisches Denken will belohnt werden, dazu genügt es meist die etwas andere Idee anzuerkennen bzw. zu loben. Dadurch entsteht der Mut einmal etwas völlig anderes zu sagen womit man sich vorher eventuell unbeliebt gemacht hätte.

Freuen Sie sich zukünftig auf eine lebendige Arbeitsatmosphäre in Ihren Diskussionsrunden zur Entscheidungsfindung und einen besseren Konsens.